03.12.2011

Familien brauchen eine Stimme

Es gibt in Europa eine breite Basis des christlichen Engagements für Ehe und Familie – das wurde beim Europäischen Familienforum im Dezember 2011 im schwäbischen Rottenburg sichtbar.


Es gibt in Europa eine breite Basis des christlichen Engagements für Ehe und Familie – das wurde beim Europäischen Familienforum im schwäbischen Rottenburg sichtbar. Knapp 100 Teilnehmer aus der Schweiz, aus Schottland, Frankreich, Österreich und Deutschland nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil.
Sie gehören zu etwa 20 christlichen Gemeinschaften aus dem evangelischen, katholischen und freikirchlichen Raum und suchen den Erfahrungsaustausch und stärkere gemeinsame Einflussmöglichkeiten in Gesellschaft und Politik.

Bereits 2007 hatten Vertreter aus mehr als 250 christlichen Gemeinschaften und
Bewegungen bei dem Treffen „Miteinander für Europa“ in Stuttgart erklärt: „Wir sagen Ja zu Ehe und Familie. Sie sind Grundlage für eine solidarische und zukunftsfähige
Gesellschaft." Diese Erklärung sollte vertieft werden.

Ehe und Familie brauchen heute mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit und
Unterstützung, darüber waren sich die Teilnehmenden am Familienforum einig. In seinem  Grundsatzreferat machte Bernd Wannenwetsch, Professor für Theologie
und Ethik in Aberdeen und evangelischer Pfarrer die enge Beziehung zwischen Familie und Ehe deutlich: Familie gelinge dann, wenn sie auf eine stabile Paarbeziehung aufbaue.

Entgegen dem Trend der Kirchen, den besonderen sozialen Status von Ehe und Familie mit Nachdruck zu verteidigen und damit die Tendenz ihres Bedeutungsverlustes möglicherweise noch zu verstärken, forderte Wannenwetsch auf, „in der fortschreitenden Pluralisierung der Lebensstile auch eine echte Herausforderung und Chance zur Profilierung des christlichen Lebens“ zu erkennen und zu nutzen. Ein bloßes allgemeines „Ja zu Ehe und Familie“ sei da zu wenig. Er zeigte auf, wie die Verankerung von Ehe in einem lebendigen Glauben und die Berufung auf einen Bund nicht nur miteinander sondern auch mit Gott befreie von romantischen Fiktionen von Eheglück ebenso wie aus den Vertragsregularien, die ein Scheitern gleich einplanen.

In Workshops und Podiumsdiskussionen wurden Aspekte der gesellschaftlichen Relevanz, der Mitgestaltung der Politik und die Angebotspalette von Schulung und Hilfsangeboten für Familien in Not vorgestellt und diskutiert. Am Ende wurde eine „Rottenburger Erklärung für Ehe und Familie“ verabschiedet.
Darin bekräftigen die Teilnehmer des Europäischen Familienforums auch in Vertretung ihrer Gemeinschaften und als Bürgerinnen und Bürger Europas ihr „Ja zu Ehe und Familie“ als einen  wichtigen Beitrag für eine solidarische und zukunftsfähige Gesellschaft.

Die Rottenburger Erklärung bezeichnet Ehe und Familie als den stabilen und schöpferischen Kern gesellschaftlichen Lebens. Sie unterstreicht, dass Kinder verlässliche
Ehe- und Familienbeziehungen als wichtigstes Startkapital ins Leben brauchen. Die Arbeit von Vater und Mutter in der Familie sei auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen, wie andere Berufe auch. Familie stärken, so heißt es darin, das Band der Generationen zur gegenseitigen Fürsorge.

Wörtlich heißt es: „Wir sind überzeugt, dass Familien in Wirtschaft und Gesellschaft
familiengerechte Bedingungen brauchen, die das Eigenrecht der Familie achten. Das
Einkommen muss ausreichend sein, damit Familie gegründet und menschenwürdig gelebt
werden kann.“

Das Europäische Familienforum diente im Blick auf die am 12. Mai 2012 in Brüssel stattfindenden dritten europäischen Veranstaltung des ökumenischen Netzwerkes „Miteinander für Europa“ der Vorbereitung und endete mit einer „Rottenburger Erklärung für Ehe und Familie“, die in die Botschaft der Veranstaltung in Brüssel einfließen und die vor allem Politikern und Verantwortlichen der Gesellschaft vorgestellt werden soll. Die Rottenburger Erklärung, die von den anwesenden Teilnehmern unterzeichnet wurde, beinhalte 6 ausformulierte Überzeugungen zu Ehe und Familie, die an die Gesellschaften aller europäischen Staaten gerichtet sind.

Hier unten finden Sie die Rottenburger Erklärung