22.03.2011

Leitungskomitee in Deutschland

Im März 2010 kamen in Schönstatt (bei Koblenz) 150 leitende Verantwortliche von Bewegungen und Gemeinschaften zusammen - es ging um Austausch und einen Blick auf die gemeinsame Zukunft.


145 Verantwortliche von evangelischen, katholischen und freikirchlichen Bewegungen und Gemeinschaften trafen sich diesmal in Schönstatt (bei Vallendar/Koblenz), dem internationalen Zentrum dieser weltweit verbreiteten marianischen Gemeinschaft. Für Gastgeber und Gäste waren die Tage geprägt von vielen Entdeckungen.

"Da bin ich nun hier und staune!" Was Rolf-Dieter Braun von "Jugend mit einer Mission" seiner Kollegin aus dem Journalistenkreis des Miteinander der Bewegungen und Gemeinschaften am Beginn des Lobpreisgottesdienstes zuraunt, ist Ausdruck einer Haltung, die dem "Treffen von Verantwortlichen" zugrunde liegt. "Staunen vor dem Charisma, das Gott in die andere Bewegung hineingelegt hat", nennt es Gerhard Proß im Interview. Vom 1. bis 4. März 2010 tagte das "Treffen von Verantwortlichen" - etwa 145 Leiter von Geistlichen Gemeinschaften mit ökumenischer Ausrichtung - in Schönstatt. Das Zuhause einer dieser Gemeinschaften zum Tagungsort zu machen hat gute Tradition. Es dient dem Kennenlernen oder eben dem Staunen vor dem Charisma in den anderen Bewegungen und Gemeinschaften.

Lange Tradition der Begegnung in versöhnter Verschiedenheit


"Das 'Treffen von Verantwortlichen'", so Gerhard Proß (CVJM Esslingen), "gibt es seit 30 Jahren im Raum der evangelischen Bewegungen." Es sei die "Keimzelle" des Miteinander; hier werde eingeübt, wie es gehen kann. "Das geistliche Miteinander, das wir hier erleben, ist ein großes Wunder!", so seine Überzeugung.

"Wir haben gelernt zu entdecken, wo das Charisma Gottes in der anderen Bewegung ist. Das ist anders als zu kommen und zu fragen: Stimmt das wirklich? Was haben die da? Was ist da schief?", so Gerhard Proß weiter, der darin auch ein Modell sieht nicht nur für die Ökumene insgesamt, sondern für viele weitere Prozesse des Miteinanders etwa in Europa: "Was wir hier leben, ist versöhnte Vielfalt. In der EU entdecke ich immer wieder eine Nivellierung auf niedrigstem Niveau. Wir wollen keine Ökumene auf niedrigstem Niveau. Jeder bleibt ganz er selbst mit dem, was zu ihm gehört."

Ein ökumenischer Durchbruch
Inhaltlich ging es bei der Tagung um die Herausforderungen durch Veränderungen und um das Zusammenspiel der Generationen. Eine große Rolle spielte, neben dem Gebet, der Austausch und das Kennenlernen. Ein Lobpreisgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche, ganz in der charismatischen Tradition, gehörte für Gerhard Proß wie für viele andere zu den Höhepunkten dieser Tage.

Vor den Teilnehmern des "Treffens von Verantwortlichen" fasste er seinen Eindruck zusammen: "'So anders und doch so nah" - mit diesen Worten hat Axel Wendt am Anfang unseres Treffens seine Erfahrung mit der Schönstatt-Bewegung beschrieben und damit sehr treffend eine Spur für unsere Begegnung mit Schönstatt gelegt. In einer Haltung der Offenheit, im Erkennen der Gnadengaben (Charismen) Gottes  im anderen hat eine tiefe Begegnung mit Schönstatt stattgefunden. Wir waren sprachfähig, auch die Unterschiede und Gegensätze zu benennen, und haben Einheit in versöhnter Vielfalt gelebt. Der Gebetsabend wurde zu einem Höhepunkt unseres Treffens: Ein charismatischer Gebetsabend in der großartigen Anbetungskirche (Dreifaltigkeitskirche) von Schönstatt, in der die Gegenwart des Heiligen Geistes für viele sehr konkret erfahrbar war, hat diese innere Linie eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht: So anders und doch ganz nah."

Entdeckung Schönstatt

Auch bei den Vertretern der Schönstatt-Bewegung hat die große Offenheit der Teilnehmer aus den anderen Bewegungen tiefe Freude geweckt. Pfarrer Wolfgang Müller, Leiter des Arbeitskreises Ökumene der Schönstatt-Bewegung: "Mit großem Interesse ist Schönstatt bei vielen Teilnehmern lebendig geworden, ob es bei den beiden Führungen auf dem Berg und im Tal war, bei dem spontan angestimmten Lied um die Einheit der Christen im Urheiligtum oder bei den zahlreichen Gesprächen bei Tisch und in den Pausen oder auch bei den intensiven Fürbitten am letzten Tag um das Kommen des Heiligen Geistes für das 'Schönstättische Zukunftsforum'. Auch hier zeigte sich eine anfanghafte Erfüllung dessen, was Pater Kentenich vor genau 100 Jahren als Motto über sein Priestertum geschrieben hatte: 'Verleihe, o mein Gott, dass alle Geister in der Wahrheit und alle Herzen in der Liebe sich einigen."