14.12.2018

Das Charisma der Einheit einer kreativen Minderheit als prophetisches Zeichen FÜR Europa

Deutschlandtag des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ in Würzburg


Deutschlandtag des Netzwerkes "Miteinander für Europa" im CVJM-Haus in Würzburg (Foto: Brehm)

Deutschlandtag des Netzwerkes "Miteinander für Europa" im CVJM-Haus in Würzburg (Foto: Brehm)

P. Hans-Martin Samietz (Foto: Brehm)

P. Hans-Martin Samietz (Foto: Brehm)

Sr. PD Dr. Nicole Grochowina (Foto: Brehm)

Sr. PD Dr. Nicole Grochowina (Foto: Brehm)

Pfr. Walter Kriechbaum (Foto: Brehm)

Pfr. Walter Kriechbaum (Foto: Brehm)

Gerhard Pross (Foto: Brehm)

Gerhard Pross (Foto: Brehm)

Workshop zum Thema Armut/Caritas (Foto: Brehm)

Workshop zum Thema Armut/Caritas (Foto: Brehm)

Workshop zum Thema Gebet und Gebetsweg zum Europatag 9. Mai 2019 (Foto: Brehm)

Workshop zum Thema Gebet und Gebetsweg zum Europatag 9. Mai 2019 (Foto: Brehm)

Gebetszeit in der St. Stephan-Kirche (Foto: Brehm)

Gebetszeit in der St. Stephan-Kirche (Foto: Brehm)

Helge Keil/Hbre. Viele bekannte Gesichter und gleichzeitig auch viele neue. 120 Christen aus unterschiedlichen geistlichen Bewegungen, Gemeinschaften, Kirchen und Konfessionen haben sich am 8. Dezember in Würzburg zum Deutschlandtag des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ getroffen. Der Gastgeber, der CVJM Würzburg, hat wieder einmal einen wunderbaren Rahmen für die Begegnung geschaffen.

„Für“ – Ein Weg der persönlichen, konkreten Zuneigung

Gott habe sich FÜR die Menschen engagiert, indem er in seinem Sohn Jesus Christus den Menschen ähnlich geworden sei, machte Pater Hans-Martin Samietz, Schönstatt-Bewegung, in seinem biblischen Impuls zu Hebr. 5,-19 zum Auftakt des Treffens deutlich. Das sei ein Muster, dass für jedes liebende Engagement gelten könne. „Wer sich für jemanden, für etwas engagiert, der identifiziert sich auch mit der Schwäche dessen, für den er sich engagiert. Durch diese Verähnlichung geschieht Öffnung zu Größerem, geschieht Weitung, geschieht Heil.“ Das „für“ im Namen des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ realisiere sich „auf dem Weg der persönlichen, konkreten Zuneigung. Für jemanden einen Weg gehen, für jemanden beten, sich für die Menschen in Europa einsetzen“, so Samiez.

Über destruktive und konstruktive Empörung

Nach einer Sammlung ermutigender Erfahrungen aus dem Miteinander vor Ort überall in Deutschland aus dem abgelaufenen Jahr, gab es mehrere kurze Statements zur Standortbestimmung des Netzwerkes. Sr. Nicole Grochowina, Christusbruderschaft Selbitz, eröffnete den Reigen zur „politischen Standortbestimmung Europas“ mit der Unterscheidung zwischen destruktiver und konstruktiver Empörung. Überall sei Empörung zu spüren: „Empörung für und gegen die Festung Europa; Empörung für und gegen Nationalismen, die nicht selten so gesteigert werden, dass längst für tot geglaubte Ungeister fröhlich Urstände feiern; Empörung für und gegen ein Europa, das den einen zu neoliberal, den anderen zu ambitioniert bei Klimazielen, den Dritten zu bürokratisiert und den Vierten zu schwach und zu alt erscheint.“ Dabei seien Polarisierung und Beschimpfung keine gute Gesprächsgrundlage. Vielmehr brauche es Versöhnung. Die allerdings erfordere Arbeit „aneinander und miteinander“ und sie sei schwierig, weil sie „über das reine Vergeben und Vergessen oder einfaches Stillschweigen“ hinausgehe, wie es Hermann von Rompuy ausgedrückt habe, als er 2012 stellvertretend für alle Europäer in der Union den Friedensnobelpreis angenommen habe. Um diese Versöhnung zu erreichen brauche es nicht eine polarisierende und diffamierende Empörung, sondern eine Empörung, die aus der Hoffnung lebe, „dass die modernen Gesellschaften letztlich doch im Stande seien, Konflikte durch gegenseitiges Verständnis und wachsame Geduld zu lösen und so der menschlichen Verantwortung füreinander gerecht zu werden und zur Versöhnung zu kommen.“ Ohne eine „Empörung des Gebetes“ sei die Versöhnung in Europa nicht zu erreichen, denn es gelte „Gräben zu überspringen, Segen zu wirken und die trockenen Brunnen mit Leben zu füllen“, so die Historikerin abschließend. Thomas Römer, CVJM München, führte in seinem Statement den Gedanken weiter mit dem Bild eines Netzes, das schon jetzt in Europa gespannt ist. Unser Miteinander ist ein Bild der Hoffnung für Europa.

„Für“ - Mit den Suchenden Wege gehen

Walter Kriechbaum, CVJM München, brachte in die Standortbestimmung Erfahrungen aus dem internationalen Trägerkreistreffen des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ im November in Prag ein. Unter den 170 versammelten Personen aus 21 Ländern und 53 Gemeinschaften und Bewegungen habe sich in schöner Weise ein Miteinander ereignet. In einem Referat habe Pavel Fischer, Senator im Tschechischen Parlament, die Teilnehmer ermutigt, Verantwortung und Freiheit immer zusammen zu sehen. Die Völker Europas brauchten einander und seien voneinander abhängig. Jeff Fountain, Gründer des „Schuman-Zentrums für Europäische Studien“ und ehemaliger Direktor von „Jugend mit einer Mission, Europa“ habe in einem Beitrag dazu aufgefordert auf der Spur des tschechischen Theologen, Predigers und Reformators Jan Hus angesichts heute üblicher Fake-News und Lüge für die Wahrheit einzustehen und dem Mitgefühl Raum zu geben angesichts weit verbreiteter Gleichgültigkeit. Der Priester und Soziologe Tomas Halik habe in seinem Beitrag anhand der biblischen Zachäus-Geschichte dazu eingeladen, mit den Suchenden Wege zu gehen. Nicht nur in der tschechischen Gesellschaft gäbe es immer mehr Menschen, „die darauf warten, dass sie von den Bäumen steigen können, dass sie Menschen finden unter uns, die mit ihnen Wege gehen, ihre Fragen aufnehmen und ihr Leben teilen“, so Kriechbaum.

Das Charisma der Einheit als „prophetisches Zeichen“ leben

Unter dem Stichwort „Das Miteinander für Europa (MfE) ist zur Einheit berufen. Einheit ist möglich!“ brachte Gerhard Pross, CVJM Esslingen, seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Gott hat das MfE ins Leben gerufen hat „und uns mit Versöhnung, dem Bündnis der Liebe, der veränderten Perspektive (Vielfalt der Konfessionen und Spiritualitäten als Reichtum statt Abgrenzung) und mit ‚Jesus in der Mitte‘ die ersten Schritte geführt“ hat. Gott habe MfE in einer Phase der ökumenischen Abkühlung gebraucht, um gewaltige Schritte auf dem Weg zur Einheit zu ermöglichen. Stichworte seien eine –„Ökumene der Herzen“ und „Ökumene des Lebens“. Jetzt bestehe der Eindruck, dass mit dem „für Europa“ ein zweiter Bereich stärker in den Fokus rücke. „Könnte es sein, dass Gott ‚Miteinander FÜR Europa‘ in einer Zeit der Krise und der Erschütterung Europas erneut ruft, um Veränderung herbeizuführen?“, so Pross. Als „kreative Minderheit“ können das Netzwerk sein Charisma der Einheit als „prophetisches Zeichen“ leben und eine „Kultur des Miteinanders“ auf der Grundlage des christlichen Glaubens zu realisieren suchen. „In einer Zeit, in der die alten Ungeister, die Europa schon mehrfach in die Katastrophe geführt haben, wieder Urstände feiern, sprechen wir unser Nein zu den Nationalismen und desto klarer unser Ja zum Evangelium, zur Versöhnung und zur Liebe.“

Konkret und praktisch soll das werden durch vier gemeinsame Schritte: „Erstens: Wir leben unsere Kultur der Einheit und setzen sie in unseren Bewegungen auf die Tagesordnung. Wir lösen damit im Innenbereich eine Dynamik aus und stehen dafür auf! Zweitens: Wir leben unsere Kultur des Miteinanders, indem wir uns auf nationaler und europäischer Ebene vernetzen und uns gegenseitig besuchen. Drittens: Wir stehen auf für die Kultur der Einheit in unserer Gesellschaft und suchen Wege, sie in die Öffentlichkeit einzubringen. Und Viertens: Wir beten für Europa. Europa braucht unser Gebet!“

Workshops

Ganz im Sinne des „für“ Europa waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich eingeladen in sieben Workshops Thema Erfahrungen auszutauschen und miteinander zu überlegen, wie nächste Schritte aussehen können. Schwerpunktmäßig ging es um die Themen „Ehe & Familie“, „Frieden“, „Gebet (und der Gebets-Weg zum Europatag am 9. Mai 2019)“, „Schöpfung“, „Theologie im Miteinander für Europa“, „Armut/Diakonie“ und um den „Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt“.

Seinen Abschluss fand der Deutschlandtag des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ mit einer Gebetszeit in der St. Stephan-Kirche. U.a. wurde für alle Länder Europas gebetet.

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