03.07.2016

Ich bin stolz, Europäer zu sein

Eindrücke vom Mitarbeiter-Kongress im Juni 2016 in München


Salome hat beim Lesen der Heiligen Schrift an die Erfahrung dieses zweiten Tages des Kongresses "Miteinander für Europa" gedacht. Gelesen hatte sie eine dieser spannenden Geschichten aus dem Alten Testament, in diesem Fall die des Elias, der behauptet, wenn er nur inständig und vertrauensvoll genug zu Gott um Regen bitte, dann werde dieser Gott ihn erhören und es regnen lassen... Nach einem nervenzerreißenden Warten erscheint weit hinten am Horizont eine winzig kleine Wolke, aus der – bald - ein großer, starker Regen fallen wird. Diese kleine Wolke ist dieser Kongress von "Miteinander für Europa", davon ist die junge Frau überzeugt, und von hier gehe, so unscheinbar es auch scheinen möge, ein großer Regen des Segens über Europa niedergehen; als sie dies Sr. Nicole Grochowina erzählt hat, bat diese sie sofort, allen Anwesenden davon zu erzählen. Der herzliche Beifall spricht für sich. Der Abschluss des Kongresses ist geprägt von Hoffnung und Freude, von Lobpreis und Gebet, von musikalischen, tänzerischen, pantomimischen Elementen, mehr von Gesten und weniger von Worten.

Die wohltuend einfache Gestaltung der Bühne hebt sich ab vom dekorationsfreudigen Rot-Gold des Zirkusbaus. Auch das eine Botschaft. Als Andrea und Albert Frey, die Band und die Tänzerin, die das Magnifikat, Marias Lobpreis Gottes, dargestellt hat, zwischendrin ganz selbstverständlich im Rund des Zirkus Platz nehmen, wird auch das zu Geste und Botschaft: Mitwirkende sind irgendwie alle, da sind nicht Stars und ihr Publikum, da sind einfach Christen, die "miteinander" beten, danken, nach vorne schauen – miteinander und für Europa. Da kommen dann auch der Dank an die Übersetzer oder die Tontechnik einfach ehrlich rüber; Gesten der Freundschaft ebenso wie die eines der Mitarbeiter beim Catering, der für einen verspäteten Journalisten schnell noch ein Essen herbeizaubert oder die unter Hochdruck arbeitende Journalistin, die lächelnd Zeit findet für einen älteren Herrn, der einfach dringend sein Handy aufladen muss und sich dazu an die Pressestelle wendet...

Das ist Miteinander für Europa, das in den Abendstunden des 1. Juli zu Ende geht. Wie war dieser Kongress, was sind die nächsten Schritte, wie sieht die Perspektive aus? Dazu sprechen kurz Henning Dobers von der Geistlichen Gemeindeerneuerung, Gerhard Pross (CVJM Esslingen); Kardinal Kurt Koch, Rom; Christophe d'Aloisio, Belgien; Diego Goller, Rocca di Papa (Fokolar-Bewegung); P. Heinrich Walter, Rom (Schönstatt), Gerhard Kehl, Jordan-Stiftung Kempten und Stefan Nicklas, CVJM München. Für Gerhard Proß war das Erfahren real existierender Verbundenheit eines der stärksten Momente dieses Kongresses; er nennt die Zeugnisse von Kardinal Kasper, Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm. "Wir tragen den Namen des Neuen in uns und dürfen mutig weitergehen", so seine Botschaft. Terroranschläge im Herzen Europas oder der Brexit unmittelbar vor diesem Kongress seien prophetische Stimmen, die zum Einsatz für Europa riefen.

Pater Heinrich Walter verweist auf das gesunde, langsame Wachstum von innen her, das den Prozess des Miteinander für Europa und den Auftrag, "Frucht zu bringen".

Europa sei konkreter geworden dank der Freundschaften, so Thomas Römer. Er habe Freunde in Polen, in Großbritannien, in Frankreich. Nachrichten aus Griechenland seien nicht mehr Nachrichten aus irgendeinem Land, sondern aus dem Land seiner Freunde. "Ich bin stolz, Europäer zu sein!", erklärt er. "Ich bin stolz auf die Flüchtlingskorridore, die meine Freunde von Sant'Egidio schaffen, ich bin stolz auf die Arbeit der Bischöfe, bin stolz auf die Arbeit der Freikirchen, ich bin stolz auf die Kultur der Wertschätzung, die wir in Europa einbringen können."

Ich bin stolz, Europäer zu sein. "Ich auch", sagt jemand zu seinem Sitznachbarn. "Ich auch."