Leben vor Ort

Entscheidend für die Ausstrahlungskraft des Miteinanders und das wichtigste Zeugnis der Freundschaft unter Bewegungen und Gemeinschaften unterschiedlicher Konfessionen ist das konkrete Leben und die Begegnung auf lokaler und regionaler Ebene.

Nürnberg / Erlangen

Schon seit einiger Zeit sind Gemeinschaften und Bewegungen der verschiedenen Konfessionen aus Franken in intensivem Autausch.

Ihre jüngste Initiative war ein gemeinsamer Besinnungstag in Kastl. Anke Husberg von der Fokolar-Gemeinschaft Nürnberg war in der Vorbereitung beteiligt und schreibt anschließend:

"Wir waren wir 24 Leute aus den verschiedenen Gemeinschaften und Gemeinden.
Ein Ehepaar unterstützte uns beim gemeinsamen Lobpreis. Dann haben wir gemeinsam einen Ausschnitt aus der Bibel vertieft in der Form des "Bibelteilens" - es ging um Joh 15,1-17 – für uns alle war das ein starkes geistliches in-die Tiefe-Gehen miteinander.

Mittags dann viel Zeit für persönliche Begegnungen, auch bei kurzem Spaziergang in der Sonne. Pfarrer Dieter Endres gab uns in Dreiergruppen folgende Fragen mit auf den Weg: Wie habe ich den Weinstock kennengelernt und woraus schöpfe ich jetzt weiterhin Kraft? Dabei kamen ganz unterschiedliche Berufungsgeschichten und tiefe Erfahrungen mit und in den verschiedenen Spiritualitäten ans Licht.
Auch eine Rede von Erzbischof Zollitsch, aus der jemand zitierte, gab Impulse, die dann in einem gemeinsamen Gebet Ausdruck fanden: Wo sehe ich, dass unser Miteinander Auswirkungen hat in unsere Stadt und welche Früchte würde ich mir aus dem Miteinander wünschen?
Gestärkt an Leib und Seele und bereichert durch die anderen sind wir nach kurzem Gebet und Lied in der Schönstattkapelle wieder auseinander gegangen."
 

Lette / Coesfeld

Im westfälischen Coesfeld hat der Geist des "Miteinanders" Menschen bewegt, aufeinander zu zu gehen. Pfarrer Peter Meier von der katholischen Gemeinde St. Johannes hat sich mit Ralf-Norbert Belau, dem Leiter der grenzübergreifenden deutsch-niederländischen Euregio Christengemeinde Aalten-Bocholt und Koordinator der "Botschafter der Versöhnung", zusammen getan und möchte Christen der verschiedenen Gemeinden, Mitglieder von Gemeinschaften und Bewegungen zu einem Miteinander für und in der Region gewinnen.

Eine Begegnung in ihrer Region im Juli 2014 traf auf großes Interesse - es kamen mehr als 180 Christen verschiedener Konfessionen aus der ganzen Region. Im November 2014 ist ein weiterer gemeinsamer "Miteinander-Tag" geplant.

Bielefeld / Münster

"Aus dem Miteinander-Tag am 12.Mai in Osnabrück haben sich bereits zwei weitere Folgebegegnungen ergeben: Wir wurden eingeladen, unser Leben und Engagement vorzustellen bei einer Tagung für katholische Ordensleute, die vor der ewigen Profess stehen", schreibt Jutta Beese von der Fokolar-Bewegung aus Münster. Gemeinsam mit einem Ehepaar der "Dienerinnen des Evangeliums" und einem Ehepaar des CVJM Bielefeld war sie zu diesem Anlass Gast in der Katholischen Akademie von Münster.

Außerdem hat sich auch das kleine Netzwerk rund um Bielefeld und Münster bereits zu einem "Dankesfest" getroffen und gemeinsam Pläne für die Zukunft geschniedet. "Wir sind dankbar für den gemeinsamen Weg, den wir begonnen haben und möchten auch hier Vorort Zeugnis geben von der wachsenden Einheit. Denn Christus ist einer - nicht geteilt!" schreiben sie.

München

Hier sind 7-8 Gemeinschaften schon seit einiger Zeit im guten freundschaftlichen Kontakt. Dabei geht es weniger um Aktivitäten, als mehr um die Gemeinschaft untereinander. In München besteht vor allem der Wunsch, im Bereich der Ehe- und Familienarbeit zusammen zu arbeiten, die Aktivitäten und Initiativen in der Arbeit mit und für Arme und Bedürftige der verschiedenen Gemeinschaften kennen zu lernen und ggf. zu vernetzen. Es gibt es kleines lockeres lokales Netzwerk für die jährliche Zusammenarbeit im Rahmen der „Marriage Week“, man nutzt wechselseitig die Tagungshäuser der anderen Gemeinschaften, lädt die Mitglieder der anderen Gemeinschaften zu eigenen Festen und Jubiläen ein, wie das in einer Familie üblich ist. Aus Anlass der Allianz-Gebetswoche gab es in diesem Jahr einen Kontakt ins Rathaus, Gespräche mit einigen Stadträten. Es wird sich zeigen, was daraus wächst.

Stuttgart:

Hier ist ist eine echte geschwisterliche Gemeinschaft gewachsen im Engagement für das sogenannte „Gebet für die Stadt“. Es findet viermal im Jahr statt, hat zunächst im CVJM begonnen, findet inzwischen in verschiedenen Gemeinden statt, die das Gebet auch mitgestalten. Dazu finden sich jeweils 50-90 Personen ein.

Auch in Stuttgart gibt es einen Kreis zur Einheit. Ziel ist, einander zu entdecken, einander zu dienen, für das Land zu beten. Mit dabei sind Vertreter von verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften (kath./ ev./ freikirchl.)

Leipzig:

In Leipzig gehen 10-15 Gemeinschaften inzwischen einen gemeinsamen Weg. Man trifft sich zweimal pro Jahr, um einander wahrzunehmen, einander kennenzulernen, die Charismen der anderen wahrnehmen, Gebetsanliegen aufzunehmen. Daneben ergeben sich viele bilaterale Beziehungen. So beteiligten sich ganz bewusst einige Bewegungen an den Protest-Initiativen gegen eine geplanten NeoNazi-Demo in Leipzig. Man beteiligte sich an Mahnwachen und letztendlich verlief die Nazi-Demo im Sande...

Außerdem möchte man die Prisma-Gemeinschaft unterstützen, die ein Projekt für den Strafvollzug aufbauen will und um das Gebet der Geschwister aus dem Miteinander gebeten hat.

Würzburg:

In Würzburg hat der CVJM die Initiative ergriffen und Bewegungen und Gemeinschaften im Stadtgebiet eingeladen. Man trifft sich etwa 3 mal im Jahr mit 9 Bewegungen und hat auch einen Namen gefunden: Miteinander für Mainfranken. Ziel der Begegnungen ist, einander Anteil zu geben auch am persönlichen Leben, Sorgen zu teilen, persönliche Situationen miteinander zu tragen. Begonnen hat dieser Austausch zunächst unter Verantwortlichen, es besteht aber der Wunsch, den Kreis auszuweiten. Eine Initiative, um das zu fördern ist die „Pilgerwanderung“. Auf dem Weg zwischen Münster-Schwarzach und dem Schwanenberg hielt man an sieben Stationen inne und vertiefte kurze Impulse zu den 7 „JA“, die in Stuttgart 2007 formuliert wurden. Diese Stationen wurden von verschiedenen Gemeinschaften vorbereitet und die Wanderung war eine sehr wertvolle und herzliche Begegnung. Für 2011 ist ein neuer Pilgerwanderweg nach Craheim geplant.

Augsburg:

Zeugnis beim "Miteinander-Tag" am 12.05.2012

Im Landkreis Augsburg gehen drei Gemeinschaften schon seit einiger Zeit einen intensiven Weg miteinander: das Ökumenische Lebenszentrum Ottmaring in Verbindung mit der Fokolar-Bewegung, der CVJM Augsburg, und die Gemeinschaft „Jugend mit einer Mission" in Hurlach. Man lebt miteinander Momente der Anbetung, des Hörens auf das Wort Gottes, man tauscht sich aus, betet füreinander.

Mit einigen weiteren Bewegungen, Gemeinden und Gemeinschaften sind auch Initiativen und gemeinsame Projekte gewachsen: die Marriage Week, das Projekt „The Church rocks“, das Stadtgebet in Landsberg...

Außerdem trifft sich ein noch weiterer Kreis zum „Tag zur Einheit“ einmal jährlich: hier begegnen sich die verschiedenen Netzwerke, die z.T. Schon länger bestehen. Es geht darum, einander wahrzunehmen, einander kennenzulernen. Seit einigen Jahren lädt man gemeinsam ein zum „Fest zur Ehre Gottes“ auf der Freilichtbühne in Augsburg.

Lüdenscheid:

Die „Freie christliche Jugend-Gemeinschaft Lüdenscheid“ trifft sich mit anderen Bewegungen im Rahmen der Initiative „Gemeinsame Wege“. Ausgelöst durch die Aktivität einer Wahrsagerin im dortigen Einkaufszentrum möchte man auf die offensichtlich bestehenden tieferen Fragen der Mitbürger christliche Antworten finden. Daraus ist ein Straßeneinsatz entstanden, bei dem u.a. ein gemeinsamer Flyer mit den Glaubenskurs- und Gottesdienstzeiten und -orten der einzelnen Gemeinden und Gemeinschaften und verteilt wird. Alle 8-10 Wochen trifft man sich zu einer Begegnung mit gemeinsamem Essen, Berichten von Aktivitäten und gemeinsamem Gebet. Als nächstes ist ein erster gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst geplant mit katholischen, evangelischen und freikirchlichen Christen – eine neue Herausforderung mit neuen Perspektiven für die Stadt.

Axel Wendt (links im Bild) erzählt: „Im letzten Jahr hat es eine Situation gegeben, in der wir in der Öffentlichkeit ganz ungerechtfertigt angegriffen und angefeindet wurden. Die Medien haben unsere Initiativen ins Lächerliche gezogen und unsere Aktivitäten in ein sehr negatives Licht gerückt. Da haben sich plötzlich die Geschwister aus den anderen Gemeinschaften hinter uns gestellt und sich auch öffentlich sehr positiv über unsere Arbeit und unsere Gesinnung geäußert. Das hat in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt und hat uns gezeigt, dass wir wirklich eine echte Familie geworden sind.“

Aachen:

Hier sind 15 Gemeinschaften miteinander auf dem Weg und treffen sich mehrmals jährlich auf regionaler Ebene. Nach einer Phase des Kennenlernens und der Befreundung wurde die Idee einer gemeinsamen Wallfahrt zu einem katholischen Wallfahrtsort wurde sehr positiv aufgenommen und man machte sich miteinander auf den Weg. Gerade die evangelischen Geschwister zeigten echtes Interesse und Offenheit und nutzten die Gelegenheit, sich viele fremde Eindrücke von den katholischen Geschwistern besonders durch persönliche Eindrücke und Erfahrungen erklären zu lassen.

In Aachen ist eine eigene Homepage des Miteinanders entstanden (www.miteinander-fuer-aachen.de), auf der neben Informationen über das Miteinander in Aachen auch Termine für Veranstaltungen kommuniziert werden. Die beteiligten Gemeinschaften erinnern sich auch durch kleine konkrete Zeichen aneinander: auf einer Visitenkarte sind die Namen und die Internetseite zu finden, sie kann an Interessierte weitergegeben werden. Ein laminiertes Lesezeichen enthält den Text eines „Bundes der Einheit“, den die Gruppen miteinander geschlossen haben.